Schlachthof Bielefeld (Gaststätte)

Ein Schlachthof der Hygiene wegen

Die Einrichtung von veterinärmedizinisch kontrollierten zentralen Schlachthöfen gehörte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zum Kernprogramm städtischer Hygienepolitik. Angesichts der zunehmenden Wasserverschmutzung durch Abfallstoffe aller Art gerieten insbesondere solche Betriebe in die öffentliche medizinalpolizeiliche Kritik, die mit organischen Stoffen arbeiteten. Kadaverreste in Rinnsteinen, ablaufendes Blut in offenen Kanälen oder gar auf der Straße gehörten noch in den 1860er und 1870er Jahren zum städtischen Leben. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte und wachsender Aufmerksamkeit für die „hygienische Frage“ wurden diese Verschmutzungen immer mehr als nicht zu tolerierendes Gesundheitsrisiko wahrgenommen. In Bielefeld gründeten 1876 26 Fleischermeister eine Fleischerinnung zu Bielefeld mit dem Ziel, einen in Eigenregie geführten Schlachthof zu betreiben. Die Stadt, die ursprünglich einen kommunalen Schlachthof gründen wollte, schloss mit der Fleischerinnung einen Vertrag ab, welcher der Innung die Befugnis zum Bau des am 16. Dezember 1884 eröffneten neuen Schlachthofs übertrug. Vom ursprünglichen Gebäudekomplex existiert noch der 1883/84 errichtete Verwaltungsbau und die 1896 eröffnete Gaststätte. Beide Häuser stehen heute als Zeugen für die einzigartige Geschichte der Fleischerinnung, der Architektur und der Veterinärmedizin unter Denkmalschutz. Die zweigeschossige Schlachthofgaststätte verfügt über eine reich gegliederte Fassade mit Rundbogen in den oberen Fenstern. Das historische Lokal ist völlig renoviert worden. Die Stadt Bielefeld hat das Gelände des ehemaligen Schlachthofs mithilfe von privaten Investoren neu bebauen lassen.

Schlachthof Bielefeld (Gaststätte)
Walther-Rathenau-Straße 28
33602 Bielefeld
Tel. (0521) 5202939
Öffnungszeiten
nur Außenbesichtigungen
ÖPNV
Haltestelle Arbeitsamt (Bus)

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