Ravensberger Spinnerei: Historisches Museum Bielefeld

Das Zentrum der Bielefelder Textilindustrie

Mit der Gründung der Ravensberger Spinnerei im Jahr 1854 setzte sich die Industrialisierung in Bielefeld endgültig durch. Die Anlage der Ravensberger Spinnerei geht auf die Initiative der Bielefelder Leinenkaufleute Delius, Kisker, Tiemann, van Laer u. a. zurück. Sie schlossen sich zu einer Aktiengesellschaft zusammen und beauftragten Ferdinand Kaselowsky mit der Planung und Durchführung. Der Unternehmer hatte bereits in Schlesien und Großbritannien einschlägige Erfahrungen gesammelt, so errichtete er ein ganzes Fabrikviertel. Die Ravensberger Spinnerei war zeitweise die größte Flachsgarnspinnerei auf dem Kontinent. Sie bot vor allem Arbeitsplätze für Frauen. Die ersten Arbeiterinnen waren nicht nur arbeitslos gewordene Handspinnerinnen aus der Umgebung, sondern auch Schlesierinnen, die mit der reglementierten Arbeitsweise in einer Fabrik bereits vertraut waren. In der Blütezeit der 1870er Jahre beschäftigte die Spinnerei rund 1 700 Arbeiterinnen und Arbeiter an 100 Maschinen, in der Weberei waren 500 Arbeitskräfte an 450 Webstühlen tätig. Damit liefen zehn bis elf Prozent aller mechanischen Webstühle Deutschlands in Bielefeld. Nachdem in den 1970er Jahren der Abriss der nicht mehr industriell genutzten Anlage verhindert werden konnte, wurden die einzelnen Gebäude für eine kulturelle Nutzung denkmalgerecht saniert. Das mehrstöckige Hauptgebäude mit den Spinnsälen, in dem seit 1985 die VHS untergebracht ist, erhielt den europäischen Denkmalpflegepreis. Die Sheddach-Halle, zwei Werkstattgebäude sowie die Karderie wurden mit modernen Ergänzungen zum Historischen Museum umgebaut. Die Direktorenvilla beherbergt das Museum Huelsmann mit internationalem Kunstgewerbe, im Prokuristenwohnhaus ist ein Bildungswerk untergebracht, die alte Hechelei ist zu einem Veranstaltungsort umgebaut worden, in der neuen Hechelei befinden sich städtische Behörden und die alte Tischlerei beherbergt ein Kino. Die Ravensberger Spinnerei mit ihren auffälligen Sandsteinfassaden liegt in einer großzügigen Parkanlage und wird architektonisch von dem hohen Schornstein dominiert, der an das Hauptgebäude anschließt. Das 105 Meter lange Hauptgebäude ist symmetrisch angelegt und beeindruckt durch seine imposante Schlossarchitektur mit Türmchen und Zinnen. Die am Vorbau des Mittelrisalits angebrachte Uhr verweist auf die zentrale Bedeutung einer neuen Zeiterfahrung im Prozess der Industrialisierung. Die Teiche vor dem Haupteingang dienten als Wasserreservoir für das Kühlwasser der Dampfmaschinen. In der unmittelbaren Umgebung der Spinnerei wurde 1864 die Mechanische Weberei eröffnet. Sie hatte nur ebenerdige Fabriksäle, da die Erschütterungen durch die laufenden Maschinen eine Aufstockung verhinderten. Heute befindet sich hier ein Supermarkt. Die alte Backsteinfassade an der Südseite ist denkmalgeschützt erhalten geblieben (Teutoburger Straße 96). Zwischen Spinnerei und Weberei befand sich das Logierhaus für ledige Arbeiterinnen, das heute als internationales Begegnungszentrum genutzt wird. In der Nachbarschaft haben sich in der Webereistraße Arbeiterwohnhäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten, die heutigen Wohnbedürfnissen angepasst sind. Über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Bielefeld zur Zeit der Industrialisierung informiert vor allem das Historische Museum, das für seine Dauerausstellung mehrfach international ausgezeichnet wurde.

Historisches Museum Bielefeld
Ravensberger Park 2
33607 Bielefeld
Tel. (0521) 513630 o. 513635
Fax (0521) 516745
info@historischesmuseum-bielefeld.de
www.historischesmuseum-bielefeld.de
Öffnungszeiten
Historisches Museum
Mi – Fr 10 – 17 Uhr
Sa – So 11 – 18 Uhr
ÖPNV
Haltestelle Volkshochschule (Bus)

Bielefeld Historisches Museum