Herforder Bügel

Wäsche und Oberbekleidung aus Herford für Angestellte und Bürgertum

Nordöstlich des Herforder Bahnhofs entstand in den 1880er Jahren ein neues Industriegebiet, der sogenannte Bügel, ein Gelände am Zusammenfluss von Aa und Werre im Bereich zwischen Luisen- und Kurfürstenstraße. Hier siedelten sich Unternehmen der Wäsche- und Bekleidungsindustrie an, die vielfach aus traditionellen regionalen Leinenhandlungen hervorgegangen waren. Bedingt durch die Industrialisierung wuchs der Bedarf an Arbeitskleidung, z. B. für die zahlreichen neuen Büroangestellten. Bürgerliche Familien begannen, industriell gefertigte Ware als Braut- und Aussteuerwäsche zu kaufen. Die erste Konfektionsfabrik, die 1884 an der Schillerstraße 9 errichtet wurde, gehörte dem Unternehmer Hermann Ruben. 1910 zog die Firma Kleiderfabrik A. Ruben in die Luisenstraße 1-3. Das mittelständische Unternehmen produzierte Herrenoberbekleidung und beschäftigte 1925 neben 80 angestellten Arbeitern noch 190 Heimarbeiterinnen. Von den Nationalsozialisten 1938 „arisiert“ ging das Unternehmen in den 1950er Jahren in Konkurs.
An der Rückseite der heute von einem Möbelgroßhandel genutzten Gebäudes ist noch der Firmenname „A. Ruben“ zu sehen. Mit der Wäschefabrik J. Elsbach & Co. siedelte sich ein weiteres Konfektionsunternehmen am Bügel in der Schillerstraße 17 an. Elsbach produzierte u. a. Damenwäsche und Herrenhemden. In ihrer Blütezeit fertigten die Näherinnen täglich bis zu 1 500 Dutzend Hemdenkragen. 1913 waren hier 850 Arbeiterinnen und Arbeiter, 160 Angestellte und 4 500 Heimarbeiterinnen beschäftigt. 1911 bezeichnete eine Fachzeitschrift das Unternehmen als die größte Damenwäschefabrik auf dem Kontinent. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die jüdische Firma Elsbach „arisiert“. In dem sanierten Gebäude befinden sich heute Büros und eine Gastronomie.

Herforder Bügel
Luisenstraße 1
32025 Herford
Öffnungszeiten
zu den Geschäftszeiten
ÖPNV
Bahnhof Herford

Herforder Bügel