Hafen Vlotho

Von Vlotho über Bremen in die Welt

Seit 1193 bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein wurde in Vlotho ein Weserzoll erhoben, der die Schiffer zum Anlanden zwang. Der Hafen entstand an einer topografisch ungünstigen Stelle, da die Weserkante wenige Meter vom Ufer entfernt steil ansteigt und nur ein schmaler Lagerbereich vorhanden ist. Der zum Hafen gehörende Speicher wurde oben auf der Kante gebaut, sodass alle Waren auf Wagen verladen und den Hang hinaufgefahren werden mussten. Trotzdem entwickelte sich Vlotho seit dem 16. Jahrhundert zu einem bedeutenden Hafen an der Weser. Im 17. Jahrhundert, in der Blütezeit des Hafens, wuchs die Zahl der Schiffsbesitzer auf 48 an. Ebenso wie in Münden existierte auch in Vlotho eine Schiffergilde. 1809 wurde sie mit der Einführung der Gewerbefreiheit aufgelöst. Bei der Bergfahrt, also gegen die Strömung, wurden die Schiffe getreidelt, d. h. von 50 bis 150 Männern bzw. 15 Pferden gezogen. Für die Strecke von Bremen nach Münden benötigte der Schiffsverband 30 Tage. Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich der Pferdezug gegen den Willen der Leinenmänner durch. Das Kräfte und Zeit raubende Schiffsziehen fand durch die Einführung von Dampfschiffen sein Ende. Mit der Eisenbahn, die 1875 auch Vlotho erreichte, setzte der Niedergang des Hafens ein. Der Anschluss Vlothos an die Herforder Kleinbahn im Jahre 1903 brachte dem Hafen noch einmal einen kurzen Aufschwung. Bevor der Hafenbetrieb ganz eingestellt wurde, bezog die lippische Möbelindustrie in den 1960er und 1970er Jahren große Mengen Tropenhölzer über Vlotho. Ein Modell des Hafens ist im Eingangsbereich des Rathauses Vlotho (Lange Straße 60) zu besichtigen. Heute ist der Hafen Vlotho Anlegeplatz für den Raddampfer der Mindener Fahrgastschifffahrt GmbH.

Hafen Vlotho
Weserstraße
32602 Vlotho

ÖPNV
Vlotho Bahnhof

vlotho

Hafengebäude, 2000. Foto: LWL-Industriemuseum