Druckerei Flöttmann

Architektur des Funktionalismus

Der Steindrucker Ludwig Flöttmann gründete 1866 in Gütersloh-Sundern eine eigene Druckerei. Gelernt hatte Flöttmann im Hause Bertelsmann, das seine Steindruckerei jedoch an ihn abgab. 1896 bezog Flöttmann seinen ersten eigenen Druckerei-Neubau in der Kökerstraße 5 neben dem heutigen Stadtmuseum. Hier entstanden zeitweise die Gütersloher Zeitung, 1903 das erste Adressbuch der Stadt Gütersloh und die beliebten Taschenfahrpläne Flöttmanns, die für verschiedene Städte gedruckt wurden. Seit Mitte der 1920er Jahre stellte das Unternehmen zunehmend auf Offsetdruckmaschinen um. Es fertigte nun vor allem Werbedrucksachen für Miele und andere Gütersloher Betriebe. Die Akzidenzdruckerei für Kleinaufträge war als weiteres Geschäftsfeld typisch für eine Druckerei in einer wachsenden Industriestadt. Auf dem Gelände zwischen Schulstraße und Berliner Straße entwarf der Architekt Herrmann Viemann neue und größere Produktionsräume im Stil des Funktionalismus. Große Fenster belichteten den Produktionssaal und schufen bessere Arbeitsbedingungen als in dem verwinkelten Gebäude am alten Standort. Heute gilt die Druckerei Flöttmann als ein herausragendes Dokument des Funktionalismus. Zeugen der schweren Arbeit mit den Papierrollen sind erhalten geblieben: die Aufzüge im Treppenhaus und die Lastenträger, die die Rollen und Bündel horizontal im Gebäude verteilten, sind die letzten Einrichtungsgegenstände aus der Zeit der Druckerei. Der Druckereibetrieb wurde 1999 eingestellt, der Flöttmann-Verlag, der noch heute in Familienhand ist, blieb erhalten. In der Schulstraße bildete von 2000 – 2003 die IT-Akademie Ostwestfalen in den neuen Medienberufen aus. Gegenwärtig ist die FH Bielefeld, die Firma Sprick Cycle sowie der Flöttmann Verlag selbst in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude angesiedelt.

Flöttmann Verlag
Schulstraße 10
33330 Gütersloh
Öffnungszeiten
nur vor außen zu besichtigen
ÖPNV
Hauptbahnhof Gütersloh

floettmann

Foto: LWL-Industriemuseum